Teil III: Bauphase
Auswahl von Ausstattungen und Sonderwünschen
In den meisten Neubauprojekten in der Schweiz erhalten Käufer die Möglichkeit, bestimmte Innenausstattungen auszuwählen – etwa Bodenbeläge, Küche, Sanitärapparate und teilweise Beleuchtung oder Wandfarben. Dies ist oft einer der wenigen Momente im Bauprozess, bei dem der Käufer aktiv eingebunden ist.
Der Ablauf kann jedoch schnell und stressig sein, insbesondere wenn unklar ist, was im Standard enthalten ist, wie Upgrades gehandhabt werden oder wie man den Überblick über Vereinbartes behält. Dieser Abschnitt erklärt, was Sie erwarten können und wie Sie den Prozess reibungslos meistern.
Wann und wie die Käufer zur Auswahl aufgefordert werden
Sobald der Rohbau weit fortgeschritten ist (typischerweise nach der Phase Rohbau / gros œuvre),
nimmt der Entwickler oder ein beauftragter Innenausbaukoordinator Kontakt mit den Käufern auf, um den
Auswahlprozess zu starten. Dies geschieht in der Regel 6 bis 12 Monate vor der Übergabe.
Dazu werden Sie zu einer Reihe von Showroom-Terminen eingeladen, abhängig von den beteiligten Lieferanten:
- Parkett-/Bodenbelag-Showroom
- Plattenausstellung (für Bad/Reduit und Küchenwände/-böden)
- Küchenstudio (Layout, Fronten, Geräte, Arbeitsplatten)
- Teilweise ein separates Sanitär-Showroom (Armaturen, WC, Duschkabinen)
Diese Showrooms befinden sich oft an unterschiedlichen Standorten, manchmal sogar in einem anderen Kanton als das Bauobjekt.
Planen Sie daher genügend Zeit für mehrere Termine ein.
Bei diesen Terminen:
- Wählen Sie Materialien und Farben für Ihre Wohnung
- Prüfen Sie die Standardoptionen (gemäss Vertragspauschale)
- Sehen Sie Upgrade-Varianten, die Aufpreise auslösen
- Unterzeichnen Sie ein Auswahlprotokoll
Manche Entwickler vereinfachen den Prozess durch vordefinierte Designlinien (meist drei), etwa „Classic“, „Modern“ oder „Urban Chic“.
Diese enthalten abgestimmte Optionen für Fliesen, Böden, Küchenfronten und Sanitäranlagen.
Das reduziert Fehler bei der Ausführung und erleichtert die Entscheidung.
Standardbudgets vs. Aufpreise
Die meisten Entwickler definieren ein Basisbudget pro Kategorie. Wenn Ihre Auswahl teurer ist, zahlen Sie die Differenz privat – meist direkt per Rechnung des Lieferanten oder Bauleiters.
Beispiele:
- Küchenbudget CHF 15’000
→ Upgrade auf CHF 20’000 = CHF 5’000 Aufpreis - Fliesenbudget CHF 90/m²
→ Wahl von CHF 120/m² Fliesen = CHF 30/m² Aufpreis
Aufpreise müssen klar dokumentiert sein. Sie können in der Regel schriftliche Offerten oder detaillierte Kostenzusammenstellungen verlangen.
Sonderwünsche und Layoutänderungen
Neben Materialwahlen wünschen viele Käufer auch kleinere Anpassungen – diese sind jedoch nur möglich, wenn sie frühzeitig angemeldet werden und sind fast immer kostenpflichtig.
Typische Beispiele:
- Wandfliesen raumhoch im Bad statt Standard halbhöhe
- Steckdosen oder Lichtschalter versetzen bzw. zusätzliche Anschlüsse bestellen
- Austausch Dusche gegen Badewanne oder umgekehrt
Alle Änderungen laufen über den Entwickler oder seinen Bauleiter – direkter Kontakt mit Subunternehmern ist unüblich.
Bestätigen Sie Änderungen immer schriftlich und bewahren Sie Kopien aller Genehmigungen und Bestellungen auf – insbesondere bei Grundriss- oder Elektroplänen.
Grössere Anpassungen (z.B. Räume zusammenlegen, Sonderküchen) sind nur in der frühen Bauphase möglich und mit hohen Zusatzkosten verbunden. Sie können zudem den STWE-Anteil verändern oder die Übergabe verzögern.
Vor-Ort-Bestätigung vor Einbau
Vor der Verlegung von Böden und Fliesen werden Käufer meist zu einem Baustellenrundgang eingeladen.
Dabei bestätigen Sie u.a.:
- Verlegerichtung und Muster des Parketts (parallel zum Licht, diagonal, Fischgrät etc.)
- Platzierung unterschiedlicher Fliesen in Bad/WC
- Höhe und Ausrichtung der Fliesen (z.B. raumhoch oder halbhoch im Bad)
Dies stellt sicher, dass Ihre Wünsche umgesetzt werden, bevor irreversible Arbeiten beginnen.
Dokumentation der getroffenen Entscheidungen
Vereinbarungen aus Showroom-Terminen oder E-Mails können im Verlauf der Monate leicht verloren gehen oder missverstanden werden. Um Streit zu vermeiden:
- Notizen und Fotos aller gewählten Optionen machen
- Nach jedem Termin ein unterzeichnetes Auswahlprotokoll einfordern
- Alle Offerten und Bestätigungen als PDF oder Ausdruck aufbewahren
- Falls ein Kundenportal existiert: dort kontrollieren, ob Ihre Auswahl korrekt erfasst wurde
Fotografieren Sie Showroom-Etiketten oder Prospekte mit Marke, Modell und Farbcode – besonders hilfreich bei Fliesen, Armaturen und Geräten.
Häufige Stolpersteine und Tipps
- Zerstreuter Ablauf: 3–4 verschiedene Showrooms, alle von unterschiedlichen Lieferanten geführt
- Unflexible Terminplanung: Enge Zeitfenster, kurze Entscheidungsfristen
- Upgrade-Druck: Standardoptionen wirken oft bewusst weniger attraktiv
- Überraschungen bei Übergabe: Ohne saubere Dokumentation schwer durchsetzbar
Wählen Sie besonders sorgfältig bei Küchenfronten und Fliesen – Änderungen sind später teuer.
Geräte lassen sich oft einfacher nachträglich ersetzen.